Das Wohltemperierte Klavier

Teil 1: ab 1722, BWV 846–869;

Teil 2: 1744, BWV 870–893.

Erstellt: 22-Apr-2005

Das Wohl temperierte Clavier oder Praeludia, und Fugen durch alle Tone und Semitonia... (abgekürzt WK) ist der Titel einer zweiteiligen Sammlung von Johann Sebastian Bach (Teil 1: BWV 846–869, ab 1722; Teil 2: BWV 870–893, 1744).

Aufbau und Gliederung

Beide Teile umfassen 24 Präludien und 24 Fugen für "Clavier" (hier: Clavichord oder Cembalo) durch sämtliche Tonarten (C-Dur, c-moll, Cis-Dur, cis-moll, D-Dur, d-moll, usw). Der Titel bezieht sich auf die temperierte Stimmung, bei der die zwölfstufige Oktave unseres Tonsystems so eingerichtet ist, dass alle Tonarten im Gegensatz zur reinen Stimmung auf einem Tasteninstrument gleich brauchbar zu spielen sind. Es geht also hier nicht um die Aufteilung der Oktave in zwölf exakt gleich große Intervalle, d.h. um die gleichstufige Stimmung.

Jedes dieser Präludien aus dem WK, das dort einer Fuge vorausgeht, hat "Selbstwert", ist also nicht bloß auf die nachfolgende Fuge hinführendes "Praeambulum" oder "Intonatio", wie einleitende Stücke improvisierten Charakters seinerzeit genannt wurden. Die Verschiedenheit ihrer Konzeption - keines der insgesamt 24 Paare ähnelt einem anderen - und die Auswahl einer Tonart für das gerade vorliegende Präludium oder die Fuge stützen die kontrovers diskutierte Ansicht, dass jede der zwölf Tonarten ihren eigenen Tonartencharakter habe. (Bei der gleichschwebenden Temperatur kann indes kein Unterschied zwischen diesen Tonarten konstatiert werden, wenn man davon absieht, dass die Hand des Klavierspielers auf Grund der Tastengeometrie beispielsweise einen C-Dur-Dreiklang anders greift und anschlägt als einen in D-Dur).

Die Fugen selbst sind hauptsächlich drei- bis fünfstimmig (Ausnahme e-moll Fuge Band I, 2-stimmig) und weisen in Konzeption ihrer Themen und des Fugenbaus auf die überragende Kompositionstechnik Bachs hin. Dabei liegt die Genialität Bachs darin, ein Fugenthema zu entwickeln, das sowohl kontrapunktischen als auch musikalisch-ästhetischen Ansprüchen auf sehr hohem Niveau genügt (wobei diese nicht als ein Gegensatz zu verstehen sind!).

Bei dieser Reichhaltigkeit der Präludien- und Fugengestaltung kann das WK als exemplarisches Lehrwerk aufgefasst werden; man vergleiche hierzu das andersgeartete Kunst der Fuge.

Bach schreibt selber auf das Titelblatt des erhaltenen Autographs:

»...zum Nutzen und Gebrauch der Lehrbegierigen Musicalischen Jugend, alsauch derer in diesem studio schon habil seyenden besonderen Zeitvertreib aufgesetzt und verfertigt...«.

Wie stark die Wirkung über die Zeiten bis zur Gegenwart ist, zeigt die Tatsache, dass der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch, angeregt von Bachs WK, 24 Präludien und Fugen für Klavier (entstanden 1950/51) geschrieben hat.

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Hörbeispiel

Fuga a 3 voci (MIDI-Datei, 7 kB) aus Bachs Wohltemperiertem Klavier

Notenbeispiel

J.S. Bach: Fuga a 3 voci

Weitere Auszüge aus den Noten zum Wohltemperierten Klavier.

Siehe auch

Literatur

Hermann Keller Das Wohltemperierte Klavier von J.S.Bach. Bärenreiter, München, 1981, ISBN 3-7618-1200-0.

Johann Nepomuk David Das Wohltemperierte Klavier - Der Versuch einer Synopsis. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1962.

Ludwig Czaczkes Analyse des Wohltemperierten Klaviers.Wien, 1965, 2 Bände - Excellente Analysen über die Bachschen Fugen.

Alfred Dürr Johann Sebastien Bach - Das wohltemperierte Klavier. Bärenreiter, Kassel, ISBN 3-7618-1229-9

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Stand: 17:58, 23. Apr 2005.
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