Die Kunst der Fuge (um 1750, BWV 1080)

12-Apr-2005

Die Kunst der Fuge ist ein Variationenwerk von Johann Sebastian Bach (BWV 1080), das um 1750 mit Vorarbeiten von 1740 entstand (Erstdruck 1751). Der Titel stammt nicht von Bach selbst.

Das Werk umfaßt vierzehn Fugen und vier Kanons. Jede der Fugen, abgesehen von der unabgeschlossenen letzten, basiert auf einem recht einfachen Grundthema in d-Moll, das in der ersten Fuge eingeführt wird:

Abbildung: Das Grundthema von Bachs Kunst der Fuge.

Mit dem Werk solle anschaulich vermittelt werden, so der erste Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel, »was möglicherweise über ein (einziges!) Fugenthema gemacht werden könne. Die Variationen, welche sämtlich vollständige Fugen über ein einerlei Thema (in derselben Tonart) sind, werden hier Contrapuncte genannt« (1802).

Der kunstvollen kontrapunktischen Komplexität wegen hat der Komponist jede Stimme – alle vorkommenden Fugen, Doppelfugen, Spiegelfugen usw. sind höchstens vierstimmig – auf einem einzigen Notensystem, also in Partiturform, ausgeschrieben.

Das unvollendet gebliebene Werk Bachs bietet bis heute Anlaß zu vielfältigen Spekulationen. Die anhaltende Diskussion thematisiert dabei vor allem die Frage der Instrumentierung, der Anordnung sowie der Unabgeschlossenheit dieses Meisterwerkes polyphoner Kompositionskunst.

Instrumentierung

Weder im Bachschen Autograph noch im Erstdruck der Kunst der Fuge finden sich Angaben zur Instrumentierung des Werkes. Folglich wurde viel über die von Bach vermeintlich intendierte Instrumentalbestimmung spekuliert, starb der Komponist doch vor Abschluß der Drucklegung der Erstveröffentlichung.

Über 250 Jahre hinweg kann dabei die Tasteninstrument-These als dominant angesehen werden, nach der Bach wahrscheinlich bei diesem "Kunstbuch" an einen (Tasteninstrumenten-)"Spieler gedacht [habe], der spielt und sieht, sieht und hört" (Arnold Feil). Um einer "strengen Eintönigkeit" (Arnold Feil) auszuweichen, die sich bei einer Wiedergabe auf dem weniger klangvariablen Cembalo einstellen kann, gibt es für Aufführungen Einrichtungen für andere Instrumente. So war zum Beispiel dem Leipziger Konzert im Sommer 1927 (Dirigent: Karl Straube auf Veranlassung von Wolfgang Gräser, mit großem Orchester, Orgel und Cembalo) ein mehr als beeindruckender Erfolg beschieden; das "klingende Kunstwerk" sollte daraufhin immer wieder unter superlativer Etikettierung konzertant den Nur-Hörer für den "riesigen Fugenkosmos" motivieren.

Kontrovers diskutiert wurden die Einspielungen von Glenn Gould an Orgel (1962) und Klavier (1981). Neben den genannten existieren Bearbeitungen für Streichquartett und Blechbläserquartett. Auch mit Einrichtungen für Saxophonquartett und Gitarrenquartett ist experimentiert worden.

Von Hans-Eberhard Dentler wurden Einwände gegen die diversen Instrumentalbearbeitungen geltend gemacht. In seiner Studie zur Kunst der Fuge kommt er zu dem Ergebnis, daß allein folgende Besetzung dem Bachschen Autograph gerecht werden könne: Violine, Viola, Violoncello, Fagott und Kontrabaß. Diese Besetzung gestatte »erstmals, jede musikalische Linie der verschiedenen Stimmen zu hören und ihre Entwicklung zu verfolgen. Sie garantiert absolute Partiturtreue und setzt Instrumente ein, die durch Bachs Kantaten und Instrumentalwerke bekannt sind. Jedes Instrument ist für seine Stimme verantwortlich und überläßt niemals wegen instrumentaler Schwierigkeiten oder aus Gründen der Unausführbarkeit einzelne Takte oder Noten anderen Instrumenten (wie dies bei Transkriptionen der Fall ist)« (Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge", S. 144)

Anordnung

Auch die Anordnung der letztlich 20 Stücke läßt sich aus den Quellen nicht verbindlich bestimmen. Eine der vielen Möglichkeiten, Bachs »klanggewordene musikalische Wissenschaft« (Pablo Casals) lebendig werden zu lassen, sei mit der folgenden Realisation (Wolfgang Hofmann) genannt:

  1. Contrapunctus 1 - Einfache Fuge (Orchester)
  2. Contrapunctus 2 - Einfache Fuge (Orchester)
  3. Contrapunctus 3 - Thema in der Umkehrung (Orgel)
  4. Contrapunctus 4 - Thema in der Umkehrung (Orchester)
  5. Contrapunctus 5 - Gegenfuge (Orchester)
  6. Contrapunctus 6 - Fuge in stile francese (Orgel)
  7. Contrapunctus 7 - 4-stimmige Fuge mit vergrößerten und verkleinerten Notenwerten (Orchester)
  8. Contrapunctus 8 - 3-stimmige Tripelfuge (Orgel)
  9. Contrapunctus 9 - Doppelfuge, Thema in der Duodezime (Orchester)
  10. Contrapunctus 10 - Doppelfuge, Thema in der Dezime (Orgel)
  11. Contrapunctus 11 - Tripelfuge, 4-stimmig (Orchester)
  12. Canon alla Ottava - Canon in der Octave (Cembalo)
  13. Canon alla duodecima - Canon in der Dezime (Chororgel)
  14. Canon alla decima - Canon in der Dezime (Chororgel)
  15. Canon per augmentationem - Canon in Vergrößerung und Umkehrung (Cembalo)
  16. Fuga a 2 Clav. - Spiegelfuge (Orgel)
  17. Alio modo.Fuga - Umkehrung (Orgel)
  18. Contrapunctus 12 - Spiegelfuge (Orchester)
  19. Contrapunctus 12 - Umkehrung (Umkehrung)
  20. Fuga a 3 Sogetti - Unvollendete Quadrupelfuge (Orchester)

Unabgeschlossenheit

Die letzte Fuge konnte von Bach nicht mehr vollendet werden. Dort, wo die Tonfolge B-A-C-H auftritt, bricht das Manuskript eigentümlicher Weise ab. In der Handschrift von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel findet sich hier die Anmerkung: »Über dieser Fuge, wo der Nahme BACH im Contrasubject angebracht worden, ist der Verfasser gestorben«. Das kann jedoch getrost als Teil der vielfältigen Mythenbildungen über den Komponisten angesehen werden.

Johann Nikolaus Forkel notiert dazu: "Die vorletzte Fuge [gemeint ist die Nummer 20] hat 3 Themata; im dritten gibt sich der Componist namentlich durch b a c h zu erkennen. Diese Fuge wurde aber durch die Augenkrankheit des Verfassers unterbrochen, und konnte, da seine Operation unglücklich ausfiel, nicht vollendet werden. Sonst soll er Willens gewesen sein, in der allerletzten Fuge 4 Themata zu nehmen, sie in allen 4 Stimmen umzukehren und sein großes Werk damit zu beschließen.

Alle die in diesem Werke vorkommenden verschiedenen Gattungen von Fugen über einerlei Hauptsatz, haben übrigens das gemeinschaftliche Verdienst, daß alle Stimmen darin gehörig singen, und keine weniger als die andere.- Zum Ersatz des Fehlenden an der letztern Fuge ist dem Werke am Schluß der 4stimmig ausgearbeitete Choral: Wenn wir in höchsten Nöten sind etc. beigefügt worden. Bach hat ihn in seiner Blindheit, wenige Tage vor seinem Ende seinem Schwiegersohn Altnikol [recte: einem seiner Freunde] in die Feder dictiert...".

Daher kommt es, dass dieser Choral (mit dem Text:Vor deinen Thron tret' ich hiermit) als Finalstück gespielt wird und so den riesigen Torso abschließt.

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Notenbeispiel

Die Kunst der Fuge (BWV 1080)

Vollständiges Notenblatt: A4 PDF (8,4 MB).

MIDI-Datei: KdF-mids.zip (67 kB, komprimiert.

Literatur

Walter Kolneder: Die Kunst der Fuge – Mythen des 20. Jahrhunderts. Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-7959-0178-2

Hans Heinrich Eggebrecht: Bachs Kunst der Fuge – Erscheinung und Deutung. München 1984, ISBN 3-492-00667-1

Hans-Eberhard Dentler: Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge". Mainz 2004, ISBN 3-7957-0490-1

Douglas R. Hofstadter, Gödel, Escher, Bach ein Endloses Geflochtenes Band, ISBN 3-608-94338-2

Netmarks

Die Partitur der Kunst der Fuge als PDF-Dokument,

icking-music-archive.org/scores/bach/kfsq/kfur.pdf.

Die Kunst der Fuge als MIDI-Dateien,

www.kunstderfuge.com/bach/canons.htm#Art.

www.jsbach.net/images/unfinishedfugue.html.

Quelle und Lizenz

Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.
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Version: 03:27, 8. Apr 2005.
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Bildquellennachweise: • Promotionmaterial © Amazon.de. • Das Grundthema von Bachs Kunst der Fuge - Quelle: de.wikipedia.org. • Notenbeispiel Die Kunst der Fuge - Quelle: Urtext via www.mutopiaproject.org; Lizenz: Public Domain; Music ID Number: Mutopia-2001/12/24-147.
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