Anton Friedrich Wilhelm von Webern (1883-1945)
Erstellt: 17-Apr-2005
Anton Webern (* 3. Dezember 1883 in Wien; † 15. September 1945 in Mittersill, Salzburg, Österreich; vollständiger Name: Anton Friedrich Wilhelm von Webern, das "von" musste er 1918 ablegen) war ein österreichischer Komponist. Als einer der ersten Schüler von Arnold Schönberg gehörte er zum inneren Kreis der Zweiten Wiener Schule.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab er in seiner Musik praktisch gleichzeitig mit seinem Lehrer die Tonalität auf. Es entstand die atonale Musik, die zwar im Verlauf des Jahrhunderts vor allem innerhalb akademischer Kreise sehr einflussreich wurde, jedoch vom größten Teil der Öffentlichkeit wenig positiv aufgenommen wurde und aufgrund ihres - beim ersten Höreindruck - mangelnden Wohlklangs die Mehrheit eher abstieß.
Leben
Webern, Sohn eines äußerst erfolgreichen Bergbauingenieurs, wuchs in Graz und Klagenfurt auf. Die Familie war 1574 in den Adelsstand erhoben worden, Webern blieb zeitlebens stolz auf seine Abkunft. Durch seine Mutter erhielt Anton Webern früh Klavierunterricht, später erteilte ihm Edwin Komauer Privatunterricht in Kompositionstheorie, außerdem erlernte Webern das Violoncello-Spiel. Zum bestandenen Abitur besuchte der junge Webern 1902 die Wagner-Festspiele in Bayreuth.
Entscheidung für die weitere Karriere: Von Herbst 1902 bis 1906 studierte er an der Universität Wien Musikwissenschaft bei Guido Adler. Seine Doktorarbeit schrieb er dort über den Choralis Constantinus des niederländischen Renaissance-Komponisten Heinrich Isaac (1450-1517). Weberns Interesse für Alte Musik sollte später auch seinen eigenen Kompositionsstil beeinflussen.
Seit Herbst 1904 auch in der privaten Kompositions-Klasse Arnold Schönbergs vertreten, fertigte Webern 1908 als Abschlußarbeit die Passacaglia (Opus 1) an. In dieser Lebensphase begann auch die enge Freundschaft und gegenseitige künstlerische Beeinflussung der beiden Schönberg-Schüler Alban Berg und Anton Webern.
In den folgenden Jahren arbeitete Webern - eher halbherzig - als Kapellmeister in Bad Ischl, Teplitz, Danzig, Stettin und Prag, bevor er 1920 wieder nach Wien zurückkehrte. Dazwischen leistete er 1915 und 1916 Militärdienst im Ersten Weltkrieg. 1911 hatte Webern seine Cousine Wilhelmine Mörtl geheiratet, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Der religiös empfindende Webern ließ sich nicht durch die Vorbehalte der katholischen Kirche gegen seine Ehe beirren. Erst 1915 konnte die kirchliche Trauung erfolgen.
Nach dem Krieg war Webern u.A. Leiter des Wiener Schubertbundes (bis 1922), der Wiener Arbeiter-Sinfoniekonzerte sowie Chormeister des Wiener Arbeiter-Singvereins. 1927 wurde er ständiger Dirigent beim österreichischen Rundfunk. 1924 und 1932 erhielt Anton Webern den Musikpreis der Stadt Wien. Er gab Gastspiele in der Schweiz, in England, Spanien und Deutschland. Trotz seiner herausragenden Qualitäten als Musik- und Kompositions-Lehrer wurde er jedoch nie an die Wiener Universität berufen.
Ab 1935 erhielt Webern kaum noch Dirigate; die Dollfuß-Regierung hatte die sozialdemokratischen Projekte, in denen sich auch Webern engagiert hatte, gestoppt. Alban Berg war gestorben, Schönberg emigriert. Der spätestens ab 1938 als »entarteter Neutöner« und »Kulturbolschewist« verfehmte, an sich unpolitische Webern begab sich nach und nach in die »innere Emigration«, fand keine Schüler mehr, musste sich als Arrangeur fremder Werke und als Korrektor durchschlagen. Trotzdem setzte er sein Werk fort, Opus Nr. 25 bis Nr. 31 entstanden. Viele seiner Stücke waren in dieser Zeit durch die Malerin und Dichterin Hildegard Jone inspiriert.
Am 15. September 1945 wurde Anton Webern in Mittersill/Salzburg, wohin er aus Angst vor der Roten Armee geflüchtet war, während einer Ausgangssperre von einem US-amerikanischen Soldaten erschossen.
Werk
Bereits aus der »Klagenfurter Periode« (1899) sind zwei Stücke für Cello und Klavier aus Weberns Hand bekannt. Weberns frühe, zu Lebzeiten nicht aufgeführte Stücke (Im Sommerwind, 1904; Langsamer Satz, 1905) stehen noch deutlich in der Tradition der Spätromantik. Darauf folgte, beginnend 1908/1909 mit den Liedern nach Stefan George, eine lange atonale Phase, die Weberns Ruf als Hauptvertreter des musikalischen Expressionismus begründete. Bis 1914 enstanden Stücke von aphoristischer Kürze. 1924/1925 wendete Weber dann erstmals Schönbergs Zwölftontechnik an, beispielsweise bei den »Drei geistlichen Volksliedern«.
Von da an konzentrierte sich Weberns Musik immer mehr auf totale Beherrschung der Struktur - fast bis hin zur Ordnung der Töne nicht nur nach Höhen, sondern auch nach Dauer. Dieser Schritt wurde nach Weberns Tod dann von den Komponisten der seriellen Musik getan. Während Schönberg und Alban Berg sich auch an großen Formen versuchten, vollendete die Kunst Weberns sich in der kleinen, hochkonzentrierten Form.
Ferner komponierte Webern 1927 die erste rein instrumentale Zwölftonmusik. Frühe Zwölftonstücke des Komponisten zeichneten sich durch ihre Kürze aus, später wurden seine Werke wieder etwas länger, die Ensemble wieder umfangreicher.
Zu Lebzeiten Weberns wurden lediglich 31 seiner Kompositionen veröffentlicht.
Anton Webern schuf einen »differenzierten...streng konstruktiven Stil der Zwölftonmusik«; spartanische Strukturen, Kürze, plötzliche melodische Sprünge und peinlich genaue Anweisungen zur Spielweise prägten seinen reifen Stil. Er hinterließ Kantanten, viele Lieder, ferner Chöre, Klavierstücke, Orchester- und Kammermusik. U.A. beeinflusste sein Vermächtnis die Komponisten Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen.
Weiterführende Informationen
Diskografische Empfehlungen
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Siehe auch
- Zwölftonmusik
Literatur
Moldenhauer, Hans und Rosaleen: Anton von Webern. Chronik seines Lebens und Werkes, Zürich 1980.
Anton Webern I. Musik-Konzepte Sonderband, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, München 1983.
Anton Webern II. Musik-Konzepte Sonderband, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, München 1984.
Netmarks
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- Photo of Anton Webern, from Polish wiki - Quelle: en.wikipedia.org; Lizenz: According to the non-retroactive copyright law of July 10, 1952, of the People's Republic of Poland, all photographs of Polish authors published prior to May 23, 1994 without a clear copyright notice are assumed to be public domain. This applies worldwide.
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Erstellt: 17-Apr-2005
Anton Webern (* 3. Dezember 1883 in Wien; † 15. September 1945 in Mittersill, Salzburg, Österreich; vollständiger Name: Anton Friedrich Wilhelm von Webern, das "von" musste er 1918 ablegen) war ein österreichischer Komponist. Als einer der ersten Schüler von Arnold Schönberg gehörte er zum inneren Kreis der Zweiten Wiener Schule.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab er in seiner Musik praktisch gleichzeitig mit seinem Lehrer die Tonalität auf. Es entstand die atonale Musik, die zwar im Verlauf des Jahrhunderts vor allem innerhalb akademischer Kreise sehr einflussreich wurde, jedoch vom größten Teil der Öffentlichkeit wenig positiv aufgenommen wurde und aufgrund ihres - beim ersten Höreindruck - mangelnden Wohlklangs die Mehrheit eher abstieß.
Leben
Webern, Sohn eines äußerst erfolgreichen Bergbauingenieurs, wuchs in Graz und Klagenfurt auf. Die Familie war 1574 in den Adelsstand erhoben worden, Webern blieb zeitlebens stolz auf seine Abkunft. Durch seine Mutter erhielt Anton Webern früh Klavierunterricht, später erteilte ihm Edwin Komauer Privatunterricht in Kompositionstheorie, außerdem erlernte Webern das Violoncello-Spiel. Zum bestandenen Abitur besuchte der junge Webern 1902 die Wagner-Festspiele in Bayreuth.
Entscheidung für die weitere Karriere: Von Herbst 1902 bis 1906 studierte er an der Universität Wien Musikwissenschaft bei Guido Adler. Seine Doktorarbeit schrieb er dort über den Choralis Constantinus des niederländischen Renaissance-Komponisten Heinrich Isaac (1450-1517). Weberns Interesse für Alte Musik sollte später auch seinen eigenen Kompositionsstil beeinflussen.
Seit Herbst 1904 auch in der privaten Kompositions-Klasse Arnold Schönbergs vertreten, fertigte Webern 1908 als Abschlußarbeit die Passacaglia (Opus 1) an. In dieser Lebensphase begann auch die enge Freundschaft und gegenseitige künstlerische Beeinflussung der beiden Schönberg-Schüler Alban Berg und Anton Webern.
In den folgenden Jahren arbeitete Webern - eher halbherzig - als Kapellmeister in Bad Ischl, Teplitz, Danzig, Stettin und Prag, bevor er 1920 wieder nach Wien zurückkehrte. Dazwischen leistete er 1915 und 1916 Militärdienst im Ersten Weltkrieg. 1911 hatte Webern seine Cousine Wilhelmine Mörtl geheiratet, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Der religiös empfindende Webern ließ sich nicht durch die Vorbehalte der katholischen Kirche gegen seine Ehe beirren. Erst 1915 konnte die kirchliche Trauung erfolgen.
Nach dem Krieg war Webern u.A. Leiter des Wiener Schubertbundes (bis 1922), der Wiener Arbeiter-Sinfoniekonzerte sowie Chormeister des Wiener Arbeiter-Singvereins. 1927 wurde er ständiger Dirigent beim österreichischen Rundfunk. 1924 und 1932 erhielt Anton Webern den Musikpreis der Stadt Wien. Er gab Gastspiele in der Schweiz, in England, Spanien und Deutschland. Trotz seiner herausragenden Qualitäten als Musik- und Kompositions-Lehrer wurde er jedoch nie an die Wiener Universität berufen.
Ab 1935 erhielt Webern kaum noch Dirigate; die Dollfuß-Regierung hatte die sozialdemokratischen Projekte, in denen sich auch Webern engagiert hatte, gestoppt. Alban Berg war gestorben, Schönberg emigriert. Der spätestens ab 1938 als »entarteter Neutöner« und »Kulturbolschewist« verfehmte, an sich unpolitische Webern begab sich nach und nach in die »innere Emigration«, fand keine Schüler mehr, musste sich als Arrangeur fremder Werke und als Korrektor durchschlagen. Trotzdem setzte er sein Werk fort, Opus Nr. 25 bis Nr. 31 entstanden. Viele seiner Stücke waren in dieser Zeit durch die Malerin und Dichterin Hildegard Jone inspiriert.
Am 15. September 1945 wurde Anton Webern in Mittersill/Salzburg, wohin er aus Angst vor der Roten Armee geflüchtet war, während einer Ausgangssperre von einem US-amerikanischen Soldaten erschossen.
Werk
Bereits aus der »Klagenfurter Periode« (1899) sind zwei Stücke für Cello und Klavier aus Weberns Hand bekannt. Weberns frühe, zu Lebzeiten nicht aufgeführte Stücke (Im Sommerwind, 1904; Langsamer Satz, 1905) stehen noch deutlich in der Tradition der Spätromantik. Darauf folgte, beginnend 1908/1909 mit den Liedern nach Stefan George, eine lange atonale Phase, die Weberns Ruf als Hauptvertreter des musikalischen Expressionismus begründete. Bis 1914 enstanden Stücke von aphoristischer Kürze. 1924/1925 wendete Weber dann erstmals Schönbergs Zwölftontechnik an, beispielsweise bei den »Drei geistlichen Volksliedern«.
Von da an konzentrierte sich Weberns Musik immer mehr auf totale Beherrschung der Struktur - fast bis hin zur Ordnung der Töne nicht nur nach Höhen, sondern auch nach Dauer. Dieser Schritt wurde nach Weberns Tod dann von den Komponisten der seriellen Musik getan. Während Schönberg und Alban Berg sich auch an großen Formen versuchten, vollendete die Kunst Weberns sich in der kleinen, hochkonzentrierten Form.
Ferner komponierte Webern 1927 die erste rein instrumentale Zwölftonmusik. Frühe Zwölftonstücke des Komponisten zeichneten sich durch ihre Kürze aus, später wurden seine Werke wieder etwas länger, die Ensemble wieder umfangreicher.
Zu Lebzeiten Weberns wurden lediglich 31 seiner Kompositionen veröffentlicht.
Anton Webern schuf einen »differenzierten...streng konstruktiven Stil der Zwölftonmusik«; spartanische Strukturen, Kürze, plötzliche melodische Sprünge und peinlich genaue Anweisungen zur Spielweise prägten seinen reifen Stil. Er hinterließ Kantanten, viele Lieder, ferner Chöre, Klavierstücke, Orchester- und Kammermusik. U.A. beeinflusste sein Vermächtnis die Komponisten Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen.
Weiterführende Informationen
Diskografische Empfehlungen
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Siehe auch
- Zwölftonmusik
Literatur
Moldenhauer, Hans und Rosaleen: Anton von Webern. Chronik seines Lebens und Werkes, Zürich 1980.
Anton Webern I. Musik-Konzepte Sonderband, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, München 1983.
Anton Webern II. Musik-Konzepte Sonderband, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, München 1984.
Netmarks
Quelle und Lizenz
Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.
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Version: 11:27, 9. Apr 2005.
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Bildquellennachweise:
- Photo of Anton Webern, from Polish wiki - Quelle: en.wikipedia.org; Lizenz: According to the non-retroactive copyright law of July 10, 1952, of the People's Republic of Poland, all photographs of Polish authors published prior to May 23, 1994 without a clear copyright notice are assumed to be public domain. This applies worldwide.
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