Musikermedizin: Spezielle Behandlungen für Musiker
Mit den Begriffen Sportmedizin und Sportarzt kann jeder etwas anfangen. Sie haben sich etabliert - sowohl auf der Ebene der Patienten als auch auf standespolitischer Ebene mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin.
Dagegen gilt die Musikermedizin bis dato als junge Disziplin, die noch wenig erforscht ist. Aber auch Musiker sind in der Ausübung ihres Berufes gleichermaßen hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die vielfach mit denen der Sportler verglichen werden.
Im Unterschied zum Leistungssportler geht es beim Musiker um die Feinkoordination des Bewegungsapparates in einer ergonomisch durch das Instrument eng vorgegebenen Bewegungskette. Ein weiterer Unterschied ist die Länge der Karriere eines Musikers - im Idealfall ein ganzes Berufsleben bis zum Rentenalter, damit arbeitet er im Schnitt 30 Jahre länger als ein Berufssportler.
Eine aktuelle Studie der Forschungsgruppe Musikermedizin unter 2000 Ärzten ergab jetzt folgende Ergebnisse:
- Bei den meisten Ärzten selbst herrscht Unsicherheit in Bezug auf die Entwicklung von Behandlungskonzepten, denen sie selbst und auch die Musiker vertrauen.
- 32 % der befragten Ärzte beurteilen die medizinische Versorgung bei musikerspezifischen Erkrankungen als schlecht, 25 % als es geht. Dabei behandeln 12 % der Ärzte mehr als 10 Musiker und weitere 12 % mehr als 20 Musiker jährlich - die übrigen Ärzte behandeln Musiker selten.
- Immerhin haben die Ärzte Verständnis für die Belastung der Musiker: 55% beurteilen die körperliche Belastung als hoch, 25 % als sehr hoch.
- Noch höher schätzen die Ärzte die psychische Belastung: hier urteilten 48% mit hoch, 35 % mit sehr hoch.
- Das Verständnis für die Belastung der Musiker wird aus der eigenen Erfahrungen der Ärzte gezogen, denn 72% haben ein Instrument erlernt.
- Ärzte unterstützen die Idee der Musikermedizin und sehen zu 71 % einen steigenden Bedarf an speziellen Kenntnissen, 64 % hingegen fordern eigene Forschungsprojekte.
Diese Ergebnisse hat die neu gegründete Forschungsgruppe Musikermedizin unter Leitung des Allgemeinmediziners Dr. Friedrich Molsberger aus Potsdam zum Anlass genommen, Musikererkrankungen weiter zu erforschen und die Versorgungssituation von Musikern durch gezielte Ausbildung der Ärzte zu verbessern.
Als Schirmherr der Forschungsgruppe konnte Lothar de Maizière gewonnen werden, der selbst seine musikalische Karriere wegen gesundheitlicher Probleme gefährdet sah, im Fernstudium Jura studierte und der Öffentlichkeit als letzter Ministerpräsident der DDR und Mitgestalter der Deutschen Einheit bekannt geworden ist.
- "Der Arzt muss mit den Problemen von Musikern vertraut sein und auch komplementärmedizinische und ganzheitliche Aspekte in der Behandlung von Musikern miteinbeziehen. Zudem müssen Behandlungskonzepte den Patienten besser erläutert werden, um das Vertrauen der Musiker zu gewinnen", argumentiert Dr. Molsberger. "Aus einer Studie aus den 90er Jahren ist zudem bekannt, dass Musiker zu 62 % über Erkrankungen des Bewegungsapparates klagen und zu 90 % ihren Arzt darüber auch informieren. Dennoch befolgen 69 % den Rat des Arztes selten oder nie, ein deutliches Zeichen mangelnden Vertrauens", fügt Molsberger abschließend hinzu.
Quelle
- Pressemitteilung der Forschungsgruppe Musikermedizin vom 1. April 2009.
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Mit den Begriffen Sportmedizin und Sportarzt kann jeder etwas anfangen. Sie haben sich etabliert - sowohl auf der Ebene der Patienten als auch auf standespolitischer Ebene mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin.
Dagegen gilt die Musikermedizin bis dato als junge Disziplin, die noch wenig erforscht ist. Aber auch Musiker sind in der Ausübung ihres Berufes gleichermaßen hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die vielfach mit denen der Sportler verglichen werden.
Im Unterschied zum Leistungssportler geht es beim Musiker um die Feinkoordination des Bewegungsapparates in einer ergonomisch durch das Instrument eng vorgegebenen Bewegungskette. Ein weiterer Unterschied ist die Länge der Karriere eines Musikers - im Idealfall ein ganzes Berufsleben bis zum Rentenalter, damit arbeitet er im Schnitt 30 Jahre länger als ein Berufssportler.
Eine aktuelle Studie der Forschungsgruppe Musikermedizin unter 2000 Ärzten ergab jetzt folgende Ergebnisse:
- Bei den meisten Ärzten selbst herrscht Unsicherheit in Bezug auf die Entwicklung von Behandlungskonzepten, denen sie selbst und auch die Musiker vertrauen.
- 32 % der befragten Ärzte beurteilen die medizinische Versorgung bei musikerspezifischen Erkrankungen als schlecht, 25 % als es geht. Dabei behandeln 12 % der Ärzte mehr als 10 Musiker und weitere 12 % mehr als 20 Musiker jährlich - die übrigen Ärzte behandeln Musiker selten.
- Immerhin haben die Ärzte Verständnis für die Belastung der Musiker: 55% beurteilen die körperliche Belastung als hoch, 25 % als sehr hoch.
- Noch höher schätzen die Ärzte die psychische Belastung: hier urteilten 48% mit hoch, 35 % mit sehr hoch.
- Das Verständnis für die Belastung der Musiker wird aus der eigenen Erfahrungen der Ärzte gezogen, denn 72% haben ein Instrument erlernt.
- Ärzte unterstützen die Idee der Musikermedizin und sehen zu 71 % einen steigenden Bedarf an speziellen Kenntnissen, 64 % hingegen fordern eigene Forschungsprojekte.
Diese Ergebnisse hat die neu gegründete Forschungsgruppe Musikermedizin unter Leitung des Allgemeinmediziners Dr. Friedrich Molsberger aus Potsdam zum Anlass genommen, Musikererkrankungen weiter zu erforschen und die Versorgungssituation von Musikern durch gezielte Ausbildung der Ärzte zu verbessern.
Als Schirmherr der Forschungsgruppe konnte Lothar de Maizière gewonnen werden, der selbst seine musikalische Karriere wegen gesundheitlicher Probleme gefährdet sah, im Fernstudium Jura studierte und der Öffentlichkeit als letzter Ministerpräsident der DDR und Mitgestalter der Deutschen Einheit bekannt geworden ist.
- "Der Arzt muss mit den Problemen von Musikern vertraut sein und auch komplementärmedizinische und ganzheitliche Aspekte in der Behandlung von Musikern miteinbeziehen. Zudem müssen Behandlungskonzepte den Patienten besser erläutert werden, um das Vertrauen der Musiker zu gewinnen", argumentiert Dr. Molsberger. "Aus einer Studie aus den 90er Jahren ist zudem bekannt, dass Musiker zu 62 % über Erkrankungen des Bewegungsapparates klagen und zu 90 % ihren Arzt darüber auch informieren. Dennoch befolgen 69 % den Rat des Arztes selten oder nie, ein deutliches Zeichen mangelnden Vertrauens", fügt Molsberger abschließend hinzu.
Quelle
- Pressemitteilung der Forschungsgruppe Musikermedizin vom 1. April 2009.

