Modest Mussorgski: Boris Godunow - Staatsoper Unter den Linden Berlin
Heute kam ich in den Genuß des musikalischen Volksdramas Boris Godunow von Modest Mussorgski; die Oper besteht eigentlich aus vier Akten und einem Prolog, die Berliner Staatsoper Unter den Linden spielt jedoch die selten aufgeführte Urfassung von 1869 in sieben Bildern.
In dieser Fassung fehlt noch die Rolle der Marina Mnischek, was die zeitgenössische Kritik zu ihrem damaligen Verriß des Werkes führte; die Urassung konzentriert sich stärker "auf die psycho-soziale Entwicklung des zwischen Schuldgefühlen und guten Absichten schwankenden und in politischen Intrigen letztlich ohnmächtig zugrunde gehenden Zaren Boris" (aus der Programmbeschreibung der Staatsoper). Eine tragende Rolle kommt auch in der Urfassung dem russischen Volk zu, das vom Chor (Chöre: Eberhard Friedrich) repräsentiert wird.
Verantwortlich für Inszenierung und Bühnenbild zeichnet der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov, der die eigentlich zwischen 1598 und 1605 angesiedelte Handlung in die nähere Zukunft versetzt; zumindest das Stereotyp des russischen Volkes vermittelt Tcherniakov recht eindrucksvoll.
Natürlich dreht sich die an Alexander Sergejewitsch Puschkins Drama "Dramatische Chronik vom Zaren Boris und Grischka Otrepjeff" auch um Machtmißbrauch und Ausbeutung, ins Zentrum stellt Tcherniakov jedoch eine Persönlichkeit, zu der zumindest ich keinen Zugang finden konnte. Boris Godunow erscheint als weinerlicher Despot, der unfähig zu echten Reformen ist und von Schuldgefühlen zerfressen wird – damit wird er fast ebenso widerwärtige wie der intrigante Schuiskij. Falls die Inszenierung eine politische Aussage haben soll, dann bietet sie dem mitteleuropäischen Zuschauer jedenfalls wenig Neues jenseits von altbekannten Stereotypen.
Musikalisch mag Boris Godunow "zukunftweisend und anregend auf die Entwicklung der Oper" gewirket haben (Wilhelm Zentner), besonders tiefen Eindruck hinterlässt die Musik jedoch nicht. Die Staatskapelle Berlin spielt unter Leitung von Daniel Barenboim zwar gewohnt brilliant, vermochte für mich jedoch auch nicht, den Abend zu einem echten Highlight werden zu lassen.
Details zur Aufführung
Aufführungsdauer: ca. 150 Minuten, durchkomponiert, ohne Pause
• Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
• Inszenierung und Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov
• Kostüme: Mariya Danilova
• Chöre: Eberhard Friedrich
Staatskapelle Berlin
Staatsopernchor
• Boris Godunow: René Pape
• Fjodor: Solist der Aurelius Sängerknaben Calw
• Xenia: Sylvia Schwartz
• Xenias Amme/Schankwirtin: Rosemarie Lang
• Fürst Wassili Iwanowitsch Schuiskij: Stephan Rügamer
• Andrej Schtschelkalow: Alfredo Daza
• Pimen: Alexander Vinogradov
• Grigorij: Burkhard Fritz
• Warlaam: Mikhail Petrenko
• Missail: Peter Menzel
• Gottesnarr: Florian Hoffmann
• Nikititsch/Polizeioffizier: Yi Yang
• Mitjucha: Bernd Zettisch
Literatur
• Wilhelm Zentner: "Boris Godunow", in: Reclams Opernführer (32. Aufl.). 1988, S. 333.
Netmarks
Libretto:
• Deutsches Libretto (Impresario.ch)
Allgemeine Informationen:
• Operone
• Wikipedia
Diskografische Empfehlungen und Literaturhinweise
Heute kam ich in den Genuß des musikalischen Volksdramas Boris Godunow von Modest Mussorgski; die Oper besteht eigentlich aus vier Akten und einem Prolog, die Berliner Staatsoper Unter den Linden spielt jedoch die selten aufgeführte Urfassung von 1869 in sieben Bildern.
In dieser Fassung fehlt noch die Rolle der Marina Mnischek, was die zeitgenössische Kritik zu ihrem damaligen Verriß des Werkes führte; die Urassung konzentriert sich stärker "auf die psycho-soziale Entwicklung des zwischen Schuldgefühlen und guten Absichten schwankenden und in politischen Intrigen letztlich ohnmächtig zugrunde gehenden Zaren Boris" (aus der Programmbeschreibung der Staatsoper). Eine tragende Rolle kommt auch in der Urfassung dem russischen Volk zu, das vom Chor (Chöre: Eberhard Friedrich) repräsentiert wird.
Verantwortlich für Inszenierung und Bühnenbild zeichnet der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov, der die eigentlich zwischen 1598 und 1605 angesiedelte Handlung in die nähere Zukunft versetzt; zumindest das Stereotyp des russischen Volkes vermittelt Tcherniakov recht eindrucksvoll.
Natürlich dreht sich die an Alexander Sergejewitsch Puschkins Drama "Dramatische Chronik vom Zaren Boris und Grischka Otrepjeff" auch um Machtmißbrauch und Ausbeutung, ins Zentrum stellt Tcherniakov jedoch eine Persönlichkeit, zu der zumindest ich keinen Zugang finden konnte. Boris Godunow erscheint als weinerlicher Despot, der unfähig zu echten Reformen ist und von Schuldgefühlen zerfressen wird – damit wird er fast ebenso widerwärtige wie der intrigante Schuiskij. Falls die Inszenierung eine politische Aussage haben soll, dann bietet sie dem mitteleuropäischen Zuschauer jedenfalls wenig Neues jenseits von altbekannten Stereotypen.
Musikalisch mag Boris Godunow "zukunftweisend und anregend auf die Entwicklung der Oper" gewirket haben (Wilhelm Zentner), besonders tiefen Eindruck hinterlässt die Musik jedoch nicht. Die Staatskapelle Berlin spielt unter Leitung von Daniel Barenboim zwar gewohnt brilliant, vermochte für mich jedoch auch nicht, den Abend zu einem echten Highlight werden zu lassen.
Details zur Aufführung
Aufführungsdauer: ca. 150 Minuten, durchkomponiert, ohne Pause
• Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
• Inszenierung und Bühnenbild: Dmitri Tcherniakov
• Kostüme: Mariya Danilova
• Chöre: Eberhard Friedrich
Staatskapelle Berlin
Staatsopernchor
• Boris Godunow: René Pape
• Fjodor: Solist der Aurelius Sängerknaben Calw
• Xenia: Sylvia Schwartz
• Xenias Amme/Schankwirtin: Rosemarie Lang
• Fürst Wassili Iwanowitsch Schuiskij: Stephan Rügamer
• Andrej Schtschelkalow: Alfredo Daza
• Pimen: Alexander Vinogradov
• Grigorij: Burkhard Fritz
• Warlaam: Mikhail Petrenko
• Missail: Peter Menzel
• Gottesnarr: Florian Hoffmann
• Nikititsch/Polizeioffizier: Yi Yang
• Mitjucha: Bernd Zettisch
Literatur
• Wilhelm Zentner: "Boris Godunow", in: Reclams Opernführer (32. Aufl.). 1988, S. 333.
Netmarks
Libretto:
• Deutsches Libretto (Impresario.ch)
Allgemeine Informationen:
• Operone
• Wikipedia
Diskografische Empfehlungen und Literaturhinweise



