Am 24. Juni stand mit Leonard Bernsteins Candide die letzte Premiere der Spielzeit 2010/2011 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden auf dem Programm. Zur Aufführung kommt die Operette in zwei Akten in der Fassung aus dem Jahr 1956, nicht das aufgearbeitete Musical aus den 1970er Jahren.
Regie führt Vincent Boussard, die Musikalische Leitung hat Wayne Marshall. Zum Sängerensemble gehören u.a. Leonardo Capalbo, Graham F. Valentine, Stephan Loges, Maria Bengtsson, Stephanie Atanasov und Anja Silja.
Boussard inszeniert die Voltairsche Novelle als buntes Panoptikum aus der Zeit der Aufklärung. Es wird aus naturkundlichen Lehrbüchern doziert, mit Elektrizität gespielt und über die beste aller möglichen Welten philosophiert. Konfrontiert ist der gutmütige Candide jedoch mit Krieg, Naturkatastrophen, Sklaverei, Betrug und Niedertracht, die im Stile einer Nummernrevue in recht isolierten Szenen abgespult werden. Die Abfolge wirkt im ersten Akt noch recht flüssig, gerät jedoch im zweiten Akt durch allzu lange Pausen ins Stocken.
Die bissige Schärfe der voltairschen Vorlage tritt hinter der Leichtigkeit einer Operette mit manchen Musical-Anklängen etwas in den Hintergrund, dieser Kontrast zur eigentlichen Inhaltsschwere mag jedoch durchaus als im Sinne Voltairs aufgefasst werden. Kurzweilig und anregend!
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